Zwei Autoren, ein Buch?

Rienharzer Sägmühle

Hier entstand ein großer Teil des ersten Romans „Eins von Fynf“

Immer wieder werden wir gefragt, wie man zu zweit ein Buch schreibt. Ein Buch, ein Autor — das ist die gängige Vorstellung. Jemand hat eine Idee und bringt diese aufs Papier. Schreibt frisch-fröhlich von der Leber weg, recherchiert, wenn nötig, und fasst alles in seine eigenen Worte. Es gibt Autoren, die ihr Buch quasi in einer Schussfahrt schreiben und es relativ schnell zu Ende bringen, oder solche, die auf eine Schreiblaune warten und auf Eingebungen hoffen und in Raten schreiben, was sich dann über einen längeren Zeitraum hinzieht. Wir gehören sicherlich eher zu der zweiten Sorte.

In unseren Anfängen haben wir wirklich immer zusammen geschrieben, das sah folgendermaßen aus: in Michaels alter Mühle saßen wir über Eck an seinem alten Esstisch und haben zuerst einmal unser Garn gesponnen. Kanalarbeit nennen wir diese Tätigkeit, während derer wir einfach ein Grundgerüst zimmern und uns dabei Stichworte notieren. Ausgangspunkt ist eine grob formulierte Idee, dann werden Orte geschaffen, Personen kreiert, Handlungen beschrieben. Immer in überschaubarem Rahmen, das heißt ungefähr kapitelweise. Gedanken, die darüber hinausgehen, werden notiert in „Reserve gehalten“. Diesen Rohbau bearbeiten wir weiter, indem wir alles in einen logischen Zusammenhang setzen und ausformulieren. Ein Satz entsteht, ein zweiter … Ein Wort fällt doppelt kurz hintereinander, und wir suchen dafür ein anderes. Eine Schilderung erscheint uns zu blass, wir beschreiben intensiver. Ein Gedankenblitz — viel besser als unser erster Einfall, und wir stellen alles um. Manchmal läuft es wie geschmiert, manchmal ringt man mühsam um ein Wort.

Sigrid und Michael - Kanalarbeit am alten Esstisch

Sigrid und Michael - Kanalarbeit am alten Esstisch

Da wir im Moment noch nicht alle Zeit der Welt haben, um Bücher zu schreiben, geschah dies meist in wöchentlichen, abendlichen Treffen. Ab und zu änderten sich unsere Arbeitsplätze (auch im Garten schreibt es sich sehr angenehm), aber der Rahmen blieb immer derselbe. Neue Ideen wurden dazwischen oft telefonisch mitgeteilt und kurz besprochen. Des Öfteren war unser Schreibdrang dann so groß, bildeten sich die Sätze beinahe wie von selbst, dass wir sie einfach sofort aufschreiben mussten — jeder für sich. Beim nächsten Schreibtermin wurde dann vorgelesen und überarbeitet. Alleine ist man gelegentlich etwas betriebsblind, schreibt vielleicht etwas unlogisch, formuliert etwas ungeschickt, dann haben wir gemeinsam nachgebessert. Daraus entwickelten sich längere Passagen, jeder bekam sozusagen seine Hausaufgabe.

Es ist immer wieder ein Spaß für uns, wenn andere, denen wir Auszüge vorgelesen haben, zu ergründen suchen, welche Schreibe jetzt von wem stammt.

So schrieben und schreiben wir gemeinsam oder auch nebeneinander zusammen, und es entstand daraus wirklich ein Buch. Über längere Zeit, in kleineren und größeren Raten, aber wir haben es geschafft.

4 Juli '10 von Sigrid Knödler, in Erzählenswertes.

1 Kommentar für „Zwei Autoren, ein Buch?“

blue #1 von blue (04.07.2010 um 18:28 )

Hallo Sigrid und Michael,
ich finde es gigantisch wie ihr das hinbekommt. Ich glaube, ihr habt eure Gedanken dazu gebracht, parallel zu laufen. Weiter so……